
Reiserückblick "Japan erleben" 2025
Von Richard Brandt
Das erste Mal Asien, das erste Mal Japan, eine unvergessliche Erfahrung: So lässt sich die diesjährige Reise von "Japan erleben" für mich rückblickend am besten zusammenfassen. Gemeinsam mit meinen Kolleg:innen und jetzt Freund:innen Anna, Cora, Fabian, Salima und Titus durfte ich Japans Kultur, Landschaften und Menschen vier Wochen lang erleben und lieben lernen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Vorfreude, die wir alle bereits während des Vorbereitungsseminars im August in Düsseldorf gespürt haben. Die Aufregung, als wir auf die Suche nach den perfekten Gastgeschenken gegangen sind. Und den Moment, als ich am Flughafen Haneda in Tokyo gelandet bin. Voller Neugier und mit einem vollgepackten Programmplan.
Los ging es mit unserer grandiosen Reisebegleiterin Pia in der japanischen Hauptstadt mit Besuchen bei der Deutschen Botschaft, im Deutschen Haus, auf der Aussichtsplattform des Rathauses Shinjuku sowie am Asakusa-Schrein und Sensō-ji-Tempel. In den kommenden Wochen kamen noch einige Schreine und Tempel dazu. Mein Goshuinchō ist auf jeden Fall gut gefüllt wieder mit zurück nach Deutschland gereist. Außerdem durften wir in den ersten Tagen in Tokyo an einem Disaster Prevention Training teilnehmen, damit wir auf mögliche Katastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis vorbereitet sind (die aber zum Glück während unseres Aufenthalts ausgeblieben sind). In Chiba warteten dann zwei meiner persönlichen Highlights auf uns: Zum einen durften wir im Freilichtmuseum Boso-no-Mura traditionelle Hakamas und Kimonos tragen, zum anderen wurde unsere Gruppe persönlich durch den Gouverneur der Präfektur Chiba empfangen – inklusive Dresscode und durchgetaktetem Protokoll.

Stipendiat Richard Brandt vor einer Pagode auf dem Gelände des Sensō-ji-Tempels im Stadtteil Asakusa in Tokio

Stipendiatinnen Anna Rodemers, Cora Lorenscheit und Salima Abbou Ahbari (v.l.) im Kimono im Freilichtmuseum Boso-no-Mura in Chiba.
Weniger offiziell, aber genauso spannend waren die traditionelle Tee-Zeremonie im Mihama-en in Chiba und meine erste Fahrt mit dem japanischen Schnellzug Shinkansen nach Okayama. Dort haben wir uns mit Studentinnen der Notre Dame Seishin University zum Abendessen getroffen. Es war schön, auch mit Gleichaltrigen vor Ort in Kontakt zu kommen und ihre Sicht auf Japan kennenzulernen. Zum Dank haben wir uns direkt mit einem eigens erstellten Reiseplan zu den Besuchshighlights in Deutschland revanchiert. Die Treffen mit den Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Chiba, Kagawa und Tokyo habe ich ebenfalls sehr positiv in Erinnerung – in Chiba haben wir alle sogar ein Dokument mit unseren Vornamen in Kanji erhalten. Das hat jetzt einen besonderen Platz auf meinem Schreibtisch in Dortmund.
Damit wir auch das ländliche Japan kennenlernen, sind wir am nächsten Tag mit der Fähre auf die Insel Naoshima übergesetzt. Neben der Besichtigung der verschiedenen Installationen des Art House Project wartete eine weitere Premiere auf mich: der erste Besuch in einem japanischen Sentō. Kleiner Spoiler: Es war nicht das letzte Mal auf unserer Reise! In Takamatsu hatten wir eine tolle Unterkunft mit einer eigenen Rooftop-Terrasse, auf der wir bis in die späten Abendstunden gequatscht haben. Nach den vielen Ortswechseln tat es richtig gut, kurz durchzuatmen und sich in der Gruppe zu den bislang gewonnenen Eindrücken auszutauschen. Nachdem wir den wunderschönen Ritsurin-Park besichtigt haben, ging es weiter nach Bandō. Dort haben wir ein ehemaliges Kriegsgefangenenlager besucht und im Deutschen Haus Naruto erfahren, wie deutsch-japanische Beziehungen auch in Kriegszeiten entstehen und danach weiter bestehen können
Und dann kam sie: die EXPO 2025 in Osaka. Eine Once-in-a-lifetime-experience! Dank eines eigens vom Deutschen Pavillon zusammengestellten Programms konnten wir zahlreiche Länder und Ausstellungen erkunden und in das internationale Flair der EXPO eintauchen. Ein besonderes und wirklich einmaliges Erlebnis, auch für unsere Reisebegleiterin Pia. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Kyoto und bei der Tenri-Gemeinde machten wir uns auf den Weg zurück nach Tokyo, wo wir an den Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in der Deutschen Botschaft teilnehmen durften. Wo sonst kann man gleichzeitig mit dem griechischen und zypriotischen Botschafter in Japan networken oder mit einem Militärsoffizier sprechen? Abgerundet wurde das Programm von einem japanisch-deutschen Get-Together mit deutschen Wurstwaren, Brezeln, Bier und allerhand sonstigen, mittlerweile vermissten Genüssen. An dieser Stelle noch einmal einen Riesendank an unsere Reisebegleiterin Pia, die die zwei Wochen so toll geplant und gemanagt hat und uns Japan aus ihrer authentischen und persönlichen Perspektive nahegebracht hat.
In der zweiten Hälfte unseres Aufenthalts ging es in die Praxisphase in Tokyo. So unterschiedlich wie unsere beruflichen Hintergründe waren auch die Praktika. Von traditionellem japanischem Holzschnitt über Cybersecurity und IT bis hin zu Hospitationen bei einer Anwaltskanzlei und in einem Krankenhaus. Ich selbst habe mein Praktikum beim Deutschen Institut für Japanstudien (DIJ) absolviert. Dort habe ich viel zur japanischen und ostasiatischen Geschichte, Politik und Wirtschaft gelernt, aber zum Beispiel auch erfahren, was Haustiere mit dem demografischen Wandel in Japan zu tun haben. Besonderes Highlight für mich als Journalist in den zwei Wochen: Ich durfte das ARD-Studio Tokyo besuchen und hautnah miterleben, wie die Arbeit deutscher Auslandskorrespondent:innen so weit weg von der Heimat aussieht. Darüber hinaus habe ich an verschiedenen Veranstaltungen des DIJ teilgenommen, war mit zwei Journalist:innen der japanischen Wirtschaftszeitung Nikkei im Japan National Press Club Mittag essen, habe ein traditionelles japanisches Crafts Festival und das Oktoberfest in Yokohama besucht und an einem der letzten Abende in Tokyo mit meinen DIJ-Kolleg:innen und Salima Karaoke gesungen

Stipendiat Richard Brandt gemeinsam mit Journalistin und Autorin Momoko Amemiya auf einem Japanese Crafts Festival in Tokio.
Es war eine phänomenale Zeit! Vielen herzlichen Dank an das Studienwerk, Pia und meine tolle Gruppe und an alle, die "Japan erleben 2025" möglich gemacht haben. Ich werde diese Erfahrung nie vergessen! Es war definitiv nicht meine letzte Reise nach Japan, versprochen.
Wer mehr visuelle Eindrücke zu unserer Reise sehen möchte (und herausfinden möchte, welche unserer Erlebnisse ich in diesem Reiserückblick nicht mehr berücksichtigen konnte), sollte auf dem Instagram-Account des Stipendienprogramms vorbeischauen: @japan.erleben.
Die Fotos in diesem Reiserückblick wurden von Dr. Julia Münch und Richard Brandt zur Verfügung gestellt.